NTE Rhetorik, Die Zweifler entlarven?
Home Page Aktuelle NTEs NTE teilhaben







NTE Rhetorik, Die Zweifler entlarven? von Jody Long.

Skeptiker vs. Zyniker 
Erkennen von Zynikern
   IGNORIERTE TATSACHEN
   
DOPPELMORAL
    FALSCHE DEUTUNGEN 
   
ANHEBUNG DER BEWEISSTANDARDS 
BEWEISE
   
ZUVERLÄSSIGKEIT
ANEKDOTISCHER BEWEIS
WISSENSCHAFTLICHER BELEG
   
Aussergewöhnliche Behauptungen verlangen nach aussergewöhnlichen Beweisen
    UNERKLÄRLICH BEDEUTET NICHT UNMÖGLICH ZU ERKLÄREN
SCHLUSSFOLGERUNG


EINLEITUNG


Intellektuell gesehen erinnern mich rhetorische Debatten immer an Fechten mit Worten. In meiner Anwaltspraxis bezeichnete ich Rechtsrhetorik immer als «Spiel mit dem Schwert», mit dem letztendlichen Ziel, die Faktensucher davon zu überzeugen, dass die eigene Sicht auf den Fall richtiger ist als diejenige der Gegenseite. In der Juristerei lernt man schnell, dass die leidenschaftliche Rede gegen den Bösewicht heute die gleiche sein kann, die morgen bei einem anderen Mandanten gegen einen selbst verwendet wird. Am Ende gibt es nicht ein klares «Richtig» oder «Falsch», es gibt nur verschiedene Bewegungsabläufe mit dem Schwert. Im Grunde gibt es für jede Anschuldigung oder jedes Argument eine Verteidigung oder ein Gegenargument. Genauso wie im Recht ist es auch in der Rhetorik der Nahtoderlebnisse (NTE). Einerseits hat man diejenigen, die das Erlebnis als real betrachten (das sind in der Regel die Erlebenden), und andererseits hat man die Leugner (die das nie erlebt haben), die das Erlebnis als reine Gehirn-Chemie abtun. Dazwischen stehen diejenigen, welche die Wahrheit herausfinden möchten, die wahren Skeptiker.

Um die Rhetorik der NTE zu verstehen, muss man die Rolle der Kritiker und die allgemeinen Argumente für und wider NTE verstehen. Dies schliesst auch die Betrachtung zynischer Debatten mit ein und die Debatte darüber, was den Unterschied von Beweisen, anekdotischer Beweise und wissenschaftlicher Beweise ausmacht.

Skeptiker vs. Zyniker: 

Der Gebrauch des Worts Skeptiker ist mittlerweile zu einem Fachbegriff geworden, und das entsprechende Gegenteil ist das Wort Zyniker. Das Wörterbuch definiert einen Skeptiker als einen, der «Behauptungen oder allgemein akzeptierte Schlussfolgerungen gewohnheitsmässig in Frage stellt».[1] Im Gegensatz dazu wird das Wort Zyniker definiert als «jemand, der glaubt, dass alle Menschen durch Egoismus motiviert sind».[2]  Beiden Wörtern gemeinsam sind das ihnen innewohnende Vorurteil bezüglich von Untersuchungsmethoden, wie angedeutet bereits existierende Glaubensmuster und schliesslich sogar Persönlichkeitsmerkmale, die mit jeder der beiden Zuschreibungen assoziiert werden.

Ein Beispiel der Website «The Skeptics Society»:

'Was bedeutet es, ein Skeptiker zu sein? Manche Leute glauben, dass Skeptizismus die Zurückweisung neuer Ideen sei oder noch schlimmer, sie verwechseln ‘skeptisch’ mit ‘zynisch’ und denken, dass Skeptiker ein Haufen mürrischer Griesgrams seien, die nicht bereit sind, irgendwelche Behauptungen zu akzeptieren, die den Status quo in Frage stellen. Das ist falsch. Skeptizismus ist ein vorläufiger Ansatz für Behauptungen. Er ist die Anwendung der Vernunft auf alle möglichen Ideen. Heilige Kühe sind nicht erlaubt. Mit anderen Worten: Skeptizismus ist eine Methode, und keine Position.[3]

Ein Skeptiker ist ein Wahrheitssucher, der als sokratischer Verbündeter die Wirklichkeit untersucht, indem er Behauptungen und Überzeugungen hinterfragt. Im eigentlichen Sinne ist ein Skeptiker ein aufgeschlossener, neugieriger Mensch. Auf der anderen Seite stellt ein Zyniker das dar, was er glaubt. Nicht nur ist die Untersuchungsmethode voreingenommen, sondern auch jede Antwort (egal wie gut sie begründet ist) ist inakzeptabel, wenn sie nicht mit der subjektiven, bereits bestehenden Überzeugung des Zynikers übereinstimmt. Zyniker sind Leute, die, motiviert durch ihre eigene Unfähigkeit, die Welt ausserhalb ihrer eigenen subjektiven Grenzen zu erforschen, in Diskussionen zu dogmatischen oder engstirnigen Herangehensweisen greifen. Das Ziel eines Skeptikers ist die Etablierung der Wahrheit, auch dann, wenn sie etablierten Prinzipien widerspricht. Das Ziel eines Zynikers ist, die Wahrheit zu verschleiern, um den Status Quo aufrecht erhalten zu können. Aus diesem Grund ist es für beide Seiten von entscheidender Wichtigkeit, diese Denkmuster zu erkennen. Nur so können wir Menschen uns weiterentwickeln und unseren rechtmässigen Platz im Universum auffinden.

Das Erkennen von Zynismus

Ein Zyniker kann entlarvt werden durch die Worte, die er verwendet. Er wird Nahtoderlebende oder Nahtoderlebnisse beschreiben mit den Worten illusorisch, irrational, gutgläubig, Scharlatane, Aberglauben, Wunschdenken, primitive Vorstellung oder Kinderglauben.[4] Dazu kommen die im Lancet-Kommentar verwendeten Techniken, wie die Unterstellung, dass die gesamte Erfahrung eingebildet gewesen sei oder dass der Erlebende Lücken fantasievoll ergänzt hätte.[5] Kann man einen Nahtoderlebenden besser diskreditieren, als anzudeuten, dass er in Bezug auf sein Erlebnis lügt, oder andere davon zu überzeugen, dass er nicht ganz richtig im Kopf sei? Die Argumente eines Zynikers zielen darauf ab, der nicht genehmen Seite einen Machtnachteil gegenüber der anderen Seite zu verschaffen. Der gewünschte Effekt ist, die Gegenseite aufzuhetzen, zu ignorieren oder die Debatte abzublocken, anstatt zu versuchen, einen Dialog zur Wahrheitsfindung zwischen den beiden Seiten in Gang zu bringen. Sieht man sich genauer an, was eine falsche Erinnerung wirklich ist, ist die intellektuelle Unredlichkeit des Schreibenden erschreckend. Und dennoch übernehmen Hunderte von Fachleuten unbesehen die Meinung des Kommentators, weil sie das Nahtodesphänomen nicht verstehen.

Ein wunderbares Zitat, das die Denkweise der Zyniker verkörpert, stammt vom Wissenschaftsautor Arthur C. Clarke: "Wenn ein angesehener, aber älterer Wissenschaftler sagt, dass etwas möglich ist, hat er mit ziemlicher Sicherheit recht.  Wenn er sagt, dass etwas unmöglich ist, liegt er sehr wahrscheinlich falsch."[6]

Ein Zyniker wird seine Argumente in einem bestimmten Diskussionsstil formulieren. Zu diesen Taktiken gehören das Ignorieren von Fakten, das Erfinden falscher Erklärungen, die Anhebung der Anforderungen an Beweise, wenn die Kriterien der Evidenz erreicht werden, die Anwendung von Doppelmoral, Rufmord, massloser Übertreibung und der Verzerrung kleiner Fehler, oder die Abweisung sämtlicher Beweise, indem sie als anekdotisch, nicht nachvollziehbar oder unkontrolliert abgewertet werden.[7]

IGNORIEREN DER FAKTEN:

Wann immer es eklatante Tatsachen gibt, die nicht in ein vorgefasstes Weltbild passen, werden diese Fakten bequemerweise ignoriert. Die Tatsachen, über die NTE-Zyniker am häufigsten grosszügig hinwegsehen, sind diejenigen, die in der Phase der Ausserkörper-Erfahrung stattfinden. Es ein absolutes Ding der Unmöglichkeit, dass eine Person, die nachweislich TOT ist, später allen erzählen kann, was während der Zeit ihrer Wiederbelebung gesagt wurde oder auf dem Flur, ausser Sicht- oder Hörweite passiert ist. Anstatt zu versuchen, diese unerklärliche Information in eine neue Theorie einzuarbeiten, werden diese Tatsachen einfach ignoriert. Tatsächlich aber ist eine Trennung des Bewusstseins vom Körper eine viel plausiblere Erklärung für das, was von Nahtoderfahrenen berichtet wird.

DOPPELMORAL:

Argumente, die mit zweierlei Mass messen, sind in Wirklichkeit eine Art von Missachtung der Fakten. Es ist Doppelmoral, wenn es Beweise gibt, die beide Seiten eines Arguments unterstützen, aber nur von einer Gruppe von Fakten berichtet wird. Zum Beispiel wurde im Lancet-Kommentar schnell und ausführlich darauf hingewiesen, dass es nach zwei Jahren vier Patienten gegeben habe, die plötzlich doch von einem NTE berichtet hätten.
[8] Dieses Argument untermauert eine der Hauptthesen des Artikels, nämlich, dass es sich um falsche Erinnerungen handelte. Der Autor machte sich die Mühe, statistisch zu analysieren, warum dies signifikant sei und wie, statistisch gesehen, daraus geschlussfolgert werden könne, dass 10% der Menschen sich die Erfahrung ausgedacht hätten.

Der Lancet-Kommentar hätte sich der Doppelmoral schuldig gemacht, wäre da nicht die winzige Feststellung gewesen, dass es auch 6 Patienten gab, die zunächst eine NTE hatten, deren Erlebnis nach 2 Jahren aber als nicht-NTE eingestuft wurden.[9]   Diese kleine Aussage wurde herangezogen als ein unterstützendes Argument für einen Konstruktionsfehler im Experiment oder dafür, dass die Menschen das Nahtoderlebnis vergessen hätten. Auch hier wird sichtbar, wie der Autor die Erklärungen so gestaltet, dass sie in ein vorausgesetztes Glaubenssystem passen, das besagt, dass Nahtoderlebnisse nicht real sind und daher Illusionen sein müssen.

Es wäre intellektuell ehrlicher gewesen, wenn der Autor zunächst darauf hingewiesen hätte, dass es auf beiden Seiten Beweise dafür gibt, dass die Studienteilnehmer nach zwei Jahren ihre Meinung darüber geändert haben könnten, ob sie eine Nahtoderfahrung erlebt haben oder nicht. Es gibt auch ausserhalb von Gedächtnisverlust viele Gründe, weshalb dieses Phänomen auftreten kann. Mich persönlich hätte interessiert, inwieweit der Wandel in der Berichterstattung sozialem Druck geschuldet war, eine mögliche Erklärung, die im Kommentar völlig ausgeblendet wurde.

FALSCHE ERKLÄRUNGEN:

Ein Beispiel, wie man falsche Erklärungen erfindet, zeigt sich bei Susan Blackmore, die im Kommentar des Lancet alternative Erklärungen anführt, wie zum Beispiel «zum Zeitpunkt verfügbare Informationen, Vorwissen, Fantasie oder Träume, Zufallstreffer, Informationen aus nicht beeinträchtigten Sinnen, selektive Erinnerung an korrekte Details, den Einbau von zwischen der NTE und dem Bericht darüber gehörten Details in die Geschichte und die Absicht, eine gute Geschichte erzählen zu wollen.»
[10]   Während einige dieser Erklärungen bei manchen Berichten zutreffen mögen, sind sie sicher nicht wahr für alle Berichte. Diese Erklärungen sind Ablenkungen von der Wahrheit und führen nur in Sackgassen. Auch wenn all diesen möglichen Erklärungen auf den Grund gegangen wird, bleiben am Ende noch immer unerklärbare NTE-Phänomene übrig, die mit falschen Begründungen nicht erklärt werden können. Für Leute, die auf der Suche nach der Wahrheit sind, ist das eine Zeitverschwendung, aber es ist ein einfacher und bequemer Weg, den Status Quo aufrecht zu erhalten.

ANHEBUNG DER ANFORDERUNGEN AN BEWEISE:

Die Anhebung der Anforderungen ist tatsächlich eine Form des Übertrumpfens des Gegners. Der Zyniker verwendet eine gewisse Art der Befragung, auf die nur wenige Menschen eine Antwort geben wollen. Wenn er dann trotzdem mit den geforderten Beweisen konfrontiert wird, ändert der Zyniker den Maßstab für den Beweis. Üblicherweise besteht die Taktik darin, zu verlangen, dass der Beweis unter Laborbedingungen wiederholt werden soll, oder dass das Nahtoderlebnis etwas anderes sein soll als ein anekdotischer Bericht. Immer wird noch etwas zusätzlich verlangt, sodass das Beweismass nie erreicht werden kann. Und wenn das nicht reicht, beginnt der Zyniker persönliche Attacken zu reiten, verwendet die üblichen Gegenargumente wie Erinnerungslücken oder er bezichtigt den Erlebenden der Lüge.


Wir haben darüber gesprochen, was taktische Argumente von Zynikern sind. Der nächste Abschnitt behandelt, welche Form von Beweisen zulässig sind. Dies schliesst anekdotische und wissenschaftliche Beweise ein und ausserdem, welche Arten Beweise zuverlässig sind, und was damit zuverlässig bewiesen werden kann.

BEWEISE:

Vor Gericht gibt es Regeln, die es Menschen erlauben, die Wahrheit via Zeugenaussagen (also ihre mündlichen Erzählungen) zu bekunden. Manche Regeln der Beweisführung sind aufgestellt worden, um die Glaubwürdigkeit von Augenzeugenberichten zu maximieren (anekdotischer Beweis). Des Weiteren müssen Beweise sowohl relevant als auch verlässlich sein. Relevante Beweise (1) können Fakten tendenziell erhärten oder widerlegen, und die Fakten müssen (2) Auswirkungen haben, wenn sie im Zusammenhang mit anderen Fakten und ihrem Untersuchungsgegenstand haben.
[11]

Aus diesem Grund würden viele von Susan Blackmores Argumenten gegen Nahtoderlebnisse den Relevanztest nicht bestehen. Im Kontext des Nahtoderlebnisses fehlt es der Begründung an Beweiskraft, da falsche Erklärungen nicht dazu beitragen, Nahtoderlebnisse zu beweisen oder zu widerlegen, weil sie ja nur auf einige wenige Nahtoderzählungen angewendet werden können. Und selbst wenn falsche Erklärungen als Beweis zugelassen würden, könnten sie dennoch ausgeschlossen werden, da falsche Erklärungen dazu neigen, die wirklichen Fragen zu vernebeln; letztlich sind sie Zeitverschwendung, da keine einzige Erklärung oder Gruppe von Erklärungen, die sie anbietet, zu einer Gesamterklärung für alle NTEs führt.[12]

VERLÄSSLICHKEIT:

Die Verlässlichkeit von Zeugenberichten wird grösser, wenn Zeugen bei klarem Verstand sind, ein gewisses Alter haben, sachlich sind und aus erster Hand wissen, was sie sagen.[13]

Im Gericht ist «Hörensagen» generell nicht erlaubt. «Hörensagen» ist normalerweise unzuverlässig, schliesslich erzählt eine Person davon, was sie eine andere Person sagen gehört hat. Trotzdem kann auch «Hörensagen» vom Gericht zugelassen werden. Einige der Ausnahmen, die auch für NTE gelten können, werden als gegenwärtige Sinneseindrücke und erregte Äusserungen bezeichnet.[14]  Der Grundgedanke dieser Regel ist, dass das Element der Spontaneität das Risiko einer falschen Darstellung auf ein akzeptables Mass reduziert".[15] Sogar noch verlässlicher sind Beweise, die unter dem Stress der durch das Ereignis oder den Zustand verursachten Aufregung gemacht werden, wobei die Spontaneität der Aussagen entscheidend ist.[16]  In der Regel achtet das Gericht auf die zeitliche Nähe zwischen den Aussagen und dem Ereignis. Oder das Ereignis ist so aufsehenerregend, dass es eine sofortige schockierte Erklärung hervorruft.

ANEKDOTISCHE BEWEISE:

Weitere Indikatoren der Verlässlichkeit anekdotischer Evidenz ist 1) die Anzahl der Augenzeugen, 2) die Konsistenz der Beobachtungen und Behauptungen, 3) die Glaubwürdigkeit der Zeugen, 4) die Klarheit und die Nähe der Beobachtungen, 5) der Geisteszustand der Zeugen, und 6) was sich der Nahtoderlebende oder der Zyniker von der Erfahrung zu gewinnen erwartet.
[17] Auch wenn ein einzelnes Nahtoderlebnis noch kein Beweis für das Phänomen selbst wäre, es gibt Hunderte von Nahtodberichten. Oftmals haben sie gewisse Beobachtungen und Behauptungen gemeinsam. Auch wäre es einfach, einen oder mehrere Menschen als mental instabil zu diskreditieren, aber es wird weniger glaubwürdig, wenn jemand behaupten will, dass all diese Menschen hätten falsche Erinnerungen oder andere Gedächtnisstörungen. Nahtoderlebende bieten einen weiten Querschnitt durch die Bevölkerung, um sie zu befragen. Sie kommen aus allen möglichen Lebenslagen, Altersgruppen, ethnischen Hintergründen, sozio-ökonomischen Schichten und Ländern. Die Beständigkeit so vieler Berichte kann nicht als Irrtum, Lüge, falsche Erinnerung oder Halluzination herabgewürdigt werden. Kaum eine Person mit einem Nahtoderlebnis hat irgendetwas zu gewinnen, wenn sie von ihrer Erfahrung erzählt. Die meisten ‘Skeptiker’ hingegen verteidigen ihre Bücher und ihren Ruf. Die grosse Frage ist also: Was bedeutet ein Nahtodesbeweis und was löst dieses Phänomen aus?

Eine andere gültige Beobachtung, die man über anekdotische Evidenz sagen kann, ist, dass sie höchst verlässlich ist in Bezug auf Alltagsdinge.[18] Über 90% von dem, was wir von anderen hören, stimmt in Bezug auf den Umgang mit dem Leben.[19] Wir reden mit anderen darüber, was sie mittags gegessen haben, was im Kino läuft oder was auf dem Weg zur Arbeit passiert ist. Auch wenn manches davon Small-Talk ist, wird dieser grösstenteils anekdotische Bericht nicht als Halluzination oder falsche Erinnerung erachtet. Wäre anekdotischer Beweis grundsätzlich unzuverlässig, würden wir im Normalfall kein Wort von dem glauben, was uns irgendjemand erzählt.

Die das Gedächtnis betreffenden Argumente, die beweisen sollen, dass anekdotische Zeugnisse unzuverlässig sind, sind schwach und nicht anwendbar.[20] Ein Teil davon ist die Tatsache, wie das Gehirn tagtäglich arbeitet, und der andere Teil ist, wie das Gehirn arbeitet, wenn etwas Ungewöhnliches passiert. So erinnern sich zum Beispiel die meisten Menschen nicht an jedes Detail ihres Lebens, sondern nur an Dinge, die wichtig genug sind, erinnert zu werden. Diese erinnerten Gegebenheiten sind im Allgemeinen dann aber korrekt und nachprüfbar. Ereignisse, die das Alltägliche sprengen, prägen sich tendenziell ein. Abhängig davon, wie gross die Auswirkung des Ereignisses auf die Person war, kann die Erinnerung sich einbrennen ins Gedächtnis und auch Jahre später noch lebhaft abrufbar sein. In diese Kategorie fallen im Allgemeinen auch NTE: Eine Erinnerung, die eine bedeutende Auswirkung auf eine Person hat für den Rest ihres Lebens. Sogar Dr. van Lommel war verblüfft über die hohe Erinnerungsrate von Nahtod-Erfahrungsberichten nach 8 Jahren.[21]

WISSENSCHAFTLICHER BEWEIS:

Ein weiteres, häufig gehörtes Argument ist, dass nichts wissenschaftlich bewiesen sei über Nahtoderlebnisse. Dieses Argument hat viele Definitionsteile. Zum Beispiel muss man definieren, welch ein Beweis wem genügt und woraus er zusammengesetzt sein sollte. Gemäss Zynikern ist ein Beweis, was als Nachweis Teil einer kontrollierten Laboranordnung ist oder mit Labormitteln reproduziert werden kann. Die Beweisschwelle ist für Nahtoderlebende sehr tief, weil die meisten ihre Erfahrung als äusserst real betrachten und viele keine Bestätigung von aussen brauchen, um sich sicher zu sein, dass das, was sie erlebt haben, wirklich war.

Etwas vom Schwierigsten beim Studium von NTE ist es, Teilnehmer für eine prospektive Studie zu finden. Die Behandlung von Menschen zum Zeitpunkt des Todes ist im Allgemeinen kein geplantes, kontrolliertes Experiment. Nur in seltenen Fällen ist es überhaupt ethisch vertretbar, diese Art von Forschung mit einem praktischen Ansatz durchzuführen. Die niederländische Studie konnte sich auf Herzstillstand bei Patienten berufen, die wiederbelebt wurden. Es wurde auch schon besprochen, diejenigen in eine Studie einzubeziehen, die geplant vorübergehend sterben, zum Beispiel Menschen mit Herzrhythmusstörungen.

Es gilt zu bedenken: Nur weil eine Person etwas nicht wissenschaftlich beweisen kann, heisst das noch nicht, dass es falsch oder nicht existent ist.[22]
Zum Beispiel kann die Wissenschaft die Existenz Gottes oder des Lebens nach dem Tod weder beweisen noch widerlegen. Unser Alltag beruht nicht auf wissenschaftlichen Beweisen, sondern basiert eher auf gesundem Menschenverstand und direkter Beobachtung.[23]   Obwohl also wissenschaftliche Methoden für viele Beweisformen gut sein mögen, sind sie doch nicht die einzige Weise, die Wirklichkeit zu definieren.

Aussergewöhnliche Behauptungen benötigen Aussergewöhnliche Beweise:

Als Teil der wissenschaftlichen Beweisführung höre ich häufig, dass aussergewöhnliche Behauptungen aussergewöhnliche Beweise erfordern. Auch wenn ich gehört habe, ein NTE gehabt zu haben, sei eine aussergewöhnliche Behauptung, habe ich noch nie gehört, woraus denn ein aussergewöhnlicher Beweis bestehen sollte. Was für die eine Person eine aussergewöhnliche Behauptung ist, ist für eine andere Person möglicherweise etwas anderes. Was aussergewöhnlich ist, wird zu etwas Subjektivem und muss interpretiert werden.

Ausserdem kann abhängig von den Umständen ein aussergewöhnlicher Beweis auch auf gewisse Grenzen stossen bezüglich Definition oder physischer Nachweisbarkeit. Zum Beispiel können aussergewöhnliche Phänomene existieren, ohne dass sie Beweise hinterlassen; die Werkzeuge, Beweise für sie zu entdecken, sind bisher noch nicht entwickelt worden, und manchmal, zum Beispiel wie bei UFO-Studien, existieren zwar Indizien, aber Wissenschaftler sind sich nicht einig, was diese aussergewöhnlichen Indizien sind oder bedeuten. Es ist wichtig, sich zu erinnern, dass die Tatsache, dass etwas wissenschaftlich nicht bewiesen worden ist, noch lange nicht bedeutet, dass es auch nicht existiert. Oftmals ist es nur eine Frage der Entwicklung von Technologie, die weit fortgeschritten genug sein muss, um Keime, Viren, andere Galaxien, Mikrowellen, elektromagnetische Felder oder die Schwerkraft nachweisen zu können. Es gibt viele Dinge, die zu verschiedenen Zeiten der Menschheit nicht in Erscheinung traten, obwohl es sie schon gab.

Deshalb ist es genauer, festzustellen: ‘Aussergewöhnliche Behauptungen verlangen nach aussergewöhnlichen Beweisen, um Skeptiker zu überzeugen, aber nicht unbedingt, um in der objektiven Realität zu existieren.’[24]

UNERKLÄRLICH HEISST NICHT UNMÖGLICH ZU ERKLÄREN:

Eines meiner Lieblingsargumente ist, dass Dinge, die man sich nicht erklären kann, deswegen nicht unerklärlich sein müssen. Michael Shermer, Autor des Skeptic Magazine, behandelt dieses Thema in seinem Buch «Weshalb Leute seltsame Dinge glauben». Wie Winston Wu ausführt, gibt es einige Begleitargumente zu Shermers Aussage:

1. Nur weil etwas passiert, von dem sie denken, es sei unmöglich, bedeutet das nicht, dass es nicht passiert ist. Man würde sonst die Realität leugnen.

2. Nur weil etwas passiert, von dem sie denken, es sei unmöglich, bedeutet das nicht, dass es sich um eine Sinnestäuschung, einen Schwindel oder eine Halluzination handeln MUSS.

3. Nur weil keine natürliche Erklärung für etwas gefunden werden kann, bedeutet nicht erklärbar nicht, dass es nur natürliche Erklärungen geben kann.

4. Wenn es nicht möglich ist, mit einer natürlichen Erklärung alle Fakten zu erklären, bedeutet das nichtdass ein Zyniker trotzdem darauf beharren sollte, nur um sein Glaubenssystem zu beschützen.
[25]

SCHLUSSFOLGERUNG

Eines der Kennzeichen eines guten Medienartikels wäre es, dass er die Wahrheit ausgewogen präsentiert. Ein guter skeptischer Artikel ist eine willkommene Abwechslung zu vielem, was der Öffentlichkeit angeboten wird. Oftmals wird Zynikern viel Aufmerksamkeit eingeräumt, weil sie den Status Quo vertreten. Ich möchte alle, die dies lesen, bitten, zu bedenken, dass Zyniker nicht dazu beitragen, das Verständnis von Nahtoderfahrungen zu verbessern oder das Bewusstsein voranzubringen. Es ist so viel sinnvoller, die vorhandenen Beweise abzustecken, sie ehrlich und ohne Vorurteil zu präsentieren und es klar zu benennen, wenn das NTE-Phänomen aus heutigen Paradigmen heraus nicht verstanden werden kann. Ich würde behaupten, dass Skeptiker glaubwürdiger wären, wenn sie relevante Möglichkeiten aufzeigen würden, um den Dialog über die Natur des Bewusstseins zu eröffnen, statt sich weiterhin den universellen Möglichkeiten zu verschliessen.

Wer sich für mehr Informationen bezüglich der Debatte um NTE-Rhetorik interessiert, dem empfehle ich wärmstens die Lektüre des ausführlichen Artikels, da er diese Konzepte weiter ausführt und einige ausgezeichnete Beispiele und Zitate zu vielen wissenschaftlichen, kontrollierten und wiederholbaren Studien über paranormale Phänomene enthält. Der Artikel von Winston Wu, ‘Entkräftung gängiger skeptischer Argumente gegen paranormale und übersinnliche Phänomene’, http://www.debunkingskeptics.com/Contents.htm


[1] The American Heritage Dictionary, 24th Printing, Dell Publishing Co (1976), p.653
[2] Id. at 180.
[3] http://www.skeptic.com/faqs.html cited in Debunking Common Skeptical Arguments Against Paranormal and Psychic Phenomena, by Winston Wu, 10/7/2001, http://www.debunkingskeptics.com/Contents.htm.
[4] Id. at 4-5.
[5] The Lancet, Vol 358, p. 2010, December 15, 2001, Commentary by Christopher French. 
[6] Winston Wu, Id. at14.
[7] Id. at 4-5.
[8] The Lancet Commentary, Id.
[9] Id.
[10] Susan Blackmore, cited in The Lancet Commentary, Id
[11] ER 401, p 195, Courtroom Handbook on Washington Evidence, 2001, Karl B. Tegland, West Group (2000).
[12] Id., ER 403, p 210.
[13] Id., CrR 6.12, pp 165-66.
[14] Id., ER 803(a)(1),(2), p 360.
[15] Id.
[16] Id.
[17] Winston Wu, Id. at19.
[18] Id. at18.
[19] Id. at19.
[20] Id.
[21] Near-death experience in survivors of cardiac arrest: a prospective study in the Netherlands, Pim van Lommel, et. al., p. 2042, The Lancet, Vol 358, December 15, 2001
[22] Winston Wu, Id. at 26.
[23] Id.
[24] Id. at 9.
[25] Id. at 28.